N e w s |
|||||
| Zwei neue Publikationen zum Thema Sandspiel:
| |||||
|
Sandplay and the Psyche: Inner Landscape and Outer Realities |
|||||
Liebe Mitglieder der ISST
Wieder geht für unsere Gesellschaft ein erfolgreiches Jahr zu Ende. Die ISST wächst kräftig, auch in diesem Jahr haben wieder mehr als10 neue Mitglieder ihr ISST Zertifikat erhalten. Besonders schön ist, dass wir die ersten Mitglieder aus Brasilien und Korea willkommen heissen können. Im August durften wir einen sehr schönen Internationalen Kongress in Cambridge GB erleben. Den Bericht dazu hat Maria Kendler verfasst. Sie finden ihn auch auf diesem neuen roten Link „News“. Im Namen der ISST danke ich der British Irish Society BISS, ganz speziell Alexander Esterhuyzen, Maggie Baron, Trish Bain und Sue Chapman für ihre grosse Arbeit bei der Organisation dieses fachlich und menschlich so gut gelungenen Kongresses. Wie Sie schon aus dem Protokoll der Generalversammlung (aufgeschaltet unter GA) erfahren haben , wird der nächste ISST Kongress in Kyoto, Japan stattfinden, höchst wahrscheinlich Anfang November 2009. Wir freuen uns alle sehr darauf! Für die beiden spannenden Ausbildungswochen der ISST im kommenden Jahr 2008 in Zürich und Brasilien informieren Sie sich bitte unter „events“. Ebenfalls im Protokoll der Generalversammlung 2007 finden Sie ganz am Ende drei wichtige Zusätze zu den Ausbildungsrichtlinien in Bezug auf on-line Vermittlung von Theorie und Supervision. Diese werden in Deutsch als Zusatz zu den Ausbildungsrichtlinien (Link Statuten) eingefügt werden. Wir hoffen, dass Sie von jetzt an mit viel Neugierde den neuen roten button „News“ anklicken werden. Sie werden dort immer wieder wechselnde Beiträge finden. Wir freuen uns auch auf Beiträge von Ihnen: Wenn sie eine neue Publikation zur Sandspieltherapie beschreiben wollen, eine ältere, verdiente Kollegin ehren, einem Kollegen/ einer Kollegin zum besonderen Geburtstag gratulieren möchten, oder wenn Sie ein, für die Sandspieltherapie bedeutsames Ereignis kommentieren möchten, bitte tun Sie es und schicken Ihren Beitrag an Yvonne Trüeb oder an mich. Unser webmaster Silvan Luzzi wird ihn unter dem „Roten Knopf“ aufschalten. Nun wünsche ich Ihnen allen frohe Weihnachten und ein ganz glückliches Neues Jahr! Ihre Präsidentin Ruth Ammann |
|||||
Wir gratulieren ganz herzlich!
|
|||||
19. Internationaler Sandspielkongress „TO SEE THE WORLD IN A GRAIN OF SAND“ (W.Blake) Mehr als 120 Therapeuten, die sich dem Sandspiel nahe fühlen, kamen in die Universitätsstadt Cambridge angereist, um Erfahrungen auszutauschen, konkrete Bespielfälle oder mehr theoretische Überlegungen anzuhören, und Kontakte zu knüpfen mit Kollegen aus der ganzen Welt. Aus über 20 Colleges besteht Cambridge, und jedes wirkt für sich wie ein temenos, eine abgegrenzte, in sich geschlossene Welt, die vom Materiellen bis zum Spirituellen alles zur Verfügung stellt, was es zum Studieren braucht. Mit Namen aus Religion und königlicher Geschichte, handelt es sich dabei meist um viereckige Gebäudekomplexe mit grossen Innenhöfen – Freiraum aus Rasen, mit Blumen umrandet, - Freiraum, Innenraum, schützend begrenzt. So erlebten wir es jeden Abend, wenn wir in den alten Gebäuden von Magdalene College, das all unsere Aktivitäten beherbergte, zum Essen gingen. In ihrem Eröffnungsvortrag ging auch Ruth Ammann (Schweiz), die Präsidentin der ISST, vom Bild des temenos als wesentlichem Element alles Geschehens in der Sandspieltherapie aus. In selbst gestalteten Sandbildern zeigte sie ihre Idee vom Wesen der ISST, sprach von einem Gruppenselbst, das sich in der Gemeinschaft ausdrücken kann, mit seinen positiven aber auch potentiell negativen Aspekten, die einen bewussten Umgang erfordern. Ein besonderes Anliegen ist ihr die fundierte Ausbildung der Sandspieltherapeuten. Alexander Esterhuyzen (Grossbritannien) sprach in seinem Vortrag Sandplay: Globalised technique or personal individuation über die grundsätzliche Spannung, die sich sowohl auf individueller als auch auf gemeinschaftlicher Ebene aus der Opposition von einerseits persönlichen und andererseits dem Kollektiv zugewandten Interessen ergibt. Mit beiden in lebendiger Verbindung zu stehen, bedeutet, den Individuationsprozess nicht als lineare sondern eher als spiralförmige Bewegung zu verstehen, die sich mit keiner der beiden Positionen identifiziert, sondern durch ein fortlaufendes Interesse für beide, das Individuelle in Beziehung zum Kollektiv realisiert. Dies beginnt beim Erleben in kleine Gruppen, Organisationen, Institutionen, bis hin zur Vernetzung in unserer globalisierten Welt. Harriet Friedman und Rie Rogers Mitchell (USA), die beiden Herausgeberinnen von Stories and models of Sandplay supervision from around the world stellten das aus 19 Beiträgen bestehende Buch vor, das durchwegs praktische Überlegungen zur Supervision von Sandspielprozessen enthält. 7 der Autoren waren anwesend und gaben einen konzentrierten Überblick über ihre Sichtweise von Sandspielsupervision, wodurch zahlreiche konkrete und sehr brauchbare Anregungen skizziert wurden, die ausführlich im Buch nachzulesen sind. Am Nachmittag des ersten Kongresstages fanden drei Parallelveranstaltungen statt, in denen jeweils ein Sandspielprozess dargestellt wurde: Patricia Dunn Fierstein (USA) sprach über Traumabewältigung bei einem adoptierten chinesischen Mädchen; Rosa Napoliello Balfour (Italien) stellte den Fall einer 36jährigen Frau vor, die in einer 2 ½ Jahre dauernden Therapie ihre sexuelle Missbrauchserfahrung während der Kindheit verarbeitete. Anke Seitz (Deutschland) präsentierte ihre Arbeit mit einem 10jährigen Mädchen von deutsch-ägyptischer Herkunft, das an Lernstörungen litt. Am Abend fand unter reger Teilnahme die Generalversammlung der ISST statt. Ruth Ammann sprach in ihrem Bericht über die wesentlichen Aktivitäten des abgelaufenen Jahres: den Statuten wurden Durchführungsbestimmungen hinzugefügt, die intensive Trainingswoche in Holland war erfolgreich, zwischen ISST und IAAP (Internationale Gesellschaft für analytische Psychologie) wurde eine Allianz geschlossen; grosse Ausbildungsnachfrage besteht in Ländern wie China, Australien, Südkorea und Brasilien. Nach den Berichten aus den nationalen Gesellschaften wurde Ruth Ammann für weitere 4 Jahre zur Präsidentin der ISST gewählt. Der neue Ethik-Code wurde von der Generalversammlung angenommen. Die Vorträge des zweiten Tages begannen mit Vera Braunbehrens (Deutschland) und Philip Carlestons (Grossbritannien) Darstellung über „The ground beneath our feet; the ground beneath our hands“. Ph. Carleston sprach zuerst über kulturgeschichtliche Aspekte der Erfahrung des Grundes, der als physische Realität die Basis bildet, zu der wir (als körperliches Wesen, das grosser Instabilität ausgesetzt ist) immer wieder zurückkehren können. Er beschrieb 4 Stufen der Entwicklung, vom Nomadentum bis zur städtischen Zivilisation, im Laufe derer sich der Bezug des Menschen zum Grund wesentlich verändert hat, was eine offensichtliche „Entwurzelung“ mit sich brachte. Vera Braunbehrens stellte Beispiele dieses Phänomens dar: Eindrücke und Erfahrungen sind nicht mehr im Körper verankert, Figuren im Sandspiel erscheinen manchmal wie unverbunden mit der Sandgestaltung, oder sogar im Widerspruch zu ihr. Um dem Symbol wieder seine lebendige Verankerung zu geben, weist sie auf die Wichtigkeit der Erfahrung einer vorsymbolischen Dimension hin, die in der physischen, sinnlichen Realität des Sandes angetroffen werden kann. Erst aus der erlebten Verbindung mit dem „Grund“ kann es zu einer lebendigen Symbolgestaltung kommen. Als Beispiel für eine gezielte Herstellung des Bezuges zu dieser vorsymbolisch-sinnlichen Ebene stellte sie Heinz Deuisers „Arbeit am Tonfeld“ vor. Maggie Baron (Grossbritannien) sprach über die Tradition des Maibaums in England und seine symbolische Bedeutung in Sandbildern: Fruchtbarkeit, wiederkehrendes Leben, Fülle, Freude in der Gemeinschaft, wiederhergestellte Vertikalität. Stephen W. Olmsted (USA) beschrieb den Sandspielprozess einer Frau mit chronischer Depression, in dem alchemistische Symbole der Transformation anklingen. Im ersten Block von Parallelveranstaltungen sprach Franco Castellana (Italien) über den Therapieprozess als eine Möglichkeit, aus einem gespaltenen Verhältnis von Geist und Körper zu einer Verbindung der beiden zu finden. Erst dadurch eröffnet sich der im Körper verwurzelte, imaginäre Raum. Priscilla W. Braun (USA) stellte die Sandbilder einer Frau dar, deren Entwicklung sie nicht sosehr als psychotherapeutischen Prozess, sondern als spirituelle Suche bezeichnete. Als die Seele über das Symbol ihre Verbindung mit dem Körper wieder findet, ergeben sich konkrete Antworten auf die eingangs gestellten Sinnfragen. Im zweiten Block stellte Alexander v. Gontard (Deutschland) Methode und Ergebnisse einer in Deutschland durchgeführten Studie über die Wirksamkeit des therapeutischen Sandspiels dar. Sue Chapman(Grossbritannien) präsentierte den Fall einer jungen Frau, die sich im Sandspiel mit buddhistischen Inhalten auseinandersetzt. Am dritten Tag sprach Marcella Merlino (Italien) über ihre Arbeit in einer Beratungsstelle für Drogenabhängige. Im dargestellten Sandspielprozess geht es nicht mehr um Heilung oder Verbesserung der Situation, denn der Patient weiss, dass er auf den Tod zugeht. Der Ausdruck über den Sand erlaubt es ihm jedoch, emotional Anschluss zu finden an seine persönliche, verdrängte Geschichte und an seinen Schmerz. Es wird ihm ein Anliegen, in den Sandbildern physische Spuren seiner Innenwelt zu hinterlassen. Thomas Mantel (Deutschland) wies in seinem Vortrag „Change of awareness: moving beyond patriarchal thinking“ auf die notwendige Integration des archetypisch Weiblichen hin, um das vorwiegend logos-orientierte, fragmentierende und selbst-entfremdende Denken unserer Zeit zu überwinden. Anhand des therapeutischen Prozesses einer 30jährigen Frau zeigte er die Schwierigkeiten der Auseinandersetzung mit dem überwältigenden negativen Mutteraspekt. Im Laufe einander abwechselnder Phasen von Progression und Regression findet die Patientin zu einem positiven Bild des Weiblichen. Das Einhorn und der Löwe spielen als Gegensatzpaar eine grosse Rolle in den Sandbildern eines 9jährigen Mädchens, das als bipolar diagnostiziert wurde. Janet Tatum(USA) beschrieb diesen therapeutischen Prozess, in dem es darum ging, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen diesen beiden Symbolfiguren zu finden. In den beiden Parallelveranstaltungsblöcken am Nachmittag ging es um weitere Falldarstellungen: Judith Morris (Neuseeland) sprach über ein Mädchen, das von mehreren Seiten heftiger Gewalttätigkeit ausgesetzt war; Wouter Bleijenberg (Niederlande) stellte den Fall einer Jugendlichen mit Halluzinationen vor. Deborah Bedford Strohm (Deutschland) präsentierte den Fall einer Frau, in deren Sandbildern Hinweise auf den bevorstehenden Tod herausgelesen werden können. Der folgende Block bestand aus mehr themenzentrierten Vorträgen: Alexander von Gontard (Deutschland) sprach über Spiritualität, das Numinose und buddhistische Elemente in den Sandbildern von Kindern. Über die Beziehung von Sandspiel und Spiritualität ging es auch in der Präsentation von Grace Hong (Taiwan). Wie Sandspiel in der medizinischen Praxis als Hilfe im Umgang mit physischem Leiden eingesetzt werden kann, berichtete Brendan Harding (Irland). Zwei weitere Vorträge rundeten am Montag das Kongressprogramm ab: Lenore Steinhardt (Israel) sprach über eine 43jährige Frau, die sich im Laufe einer mehrjährigen Sandpieltherapie mit bedrohlichen magischen Elementen der Religion ihrer Kindheit auseinandersetzte, und zu einer erfüllenden Realisierung ihrer beruflichen Wünsche fand. S.R.Shepherd (Japan) illustrierte eindrucksvoll anhand von Geschichten und Beispielen den Einfluss der kulturellen Prägung auf unsere Lebenshaltung, vor allem den Unterschied zwischen westlichem und östlichem Daseinsgefühl, sowie die Konsequenzen sich auflösender kultureller Identitäten. Ein kurzer abschliessender Rückblick beendete am Montagnachmittag das Programm. Besonderer Dank gilt der Britischen und Irischen Sandspielgesellschaft für die umsichtige Organisation und die reichhaltige Programmgestaltung! Als ich auf dem Nachhauseweg strammen Schrittes meinen Koffer Richtung Busstation rolle, riecht es plötzlich stark nach Heizöl. Von reichhaltigem Bilderdenken angeregt, entsteht wie von selbst die Szene: Wie wäre es, wenn jetzt ganz nah ein Brand ausbräche, ich müsste alles fallen und liegen lassen und laufen…. Wenn keine einzige Seite meiner Unterlagen und Mitschriften gerettet werden könnte, - was würde ich in den Bericht über diesen Kongress schreiben können, einfach aus dem, was mir geblieben ist? Ich überlege ernsthaft. Und was kommt, eins nach dem andern, ohne irgendwo nachzulesen, sind die Inhalte der Vorträge, über die ich mit Kollegen in den Pausen, beim Spaziergang am Abend, beim Essen gesprochen habe. Diese gemeinsam reflektierten Ideen und Eindrücke sind am präsentesten. Und das scheint mir auch der grösste Reichtum einer derartigen Veranstaltung: Wissen kann man in Büchern begegnen, aber im Austausch mit Kollegen, wie es eben bei einem Kongress möglich ist, werden Inhalte noch anders integriert. Vielleicht könnte dieser Aspekt bei derartigen Anlässen noch bewusster gepflegt werden. | |||||